Der BND hatte natürlich nicht die Courage, dieses Blog zur letzten Besichtigungstour vor der vollkommenen Abschottung seiner Zentrale einzuladen. Und so können wir nur aus zweiter Hand erfahren, dass die 1.600 hungrigen Geheimdienstmäuler in drei halbstündigen Schichten in der Kantine des Hauses abgespeist werden und die anderen 2.400 Mitarbeiter in den Restaurants der näheren Umgebung. Der Geheimdienstkomplex, bei dessen Architektur jedem einigermaßen aufgeweckten Demokraten schon beim Blick von außen Angst und bange wird, überwältigt dann auch die wenigen geladenen Gäste, die das Bauwerk ein letztes Mal von innen sehen dürfen.
Laura Weissmüller schreibt in der Printausgabe Süddeutschen Zeitung:
Ein Monster von Symmetrie und Strenge, schier endlos in seiner Gleichförmigkeit – 14.000 exakt 1,25 Meter breite Fenster fügen sich hier aneinander – und so schwer, dass man sich wundert, dass der märkische Sandboden, in den man gerade hohe Kiefern pflanzt, nicht schon längst nachgegeben hat.
Weiter heißt es in dem sehr schön zu lesenden Verriss:
Was macht das mit einem Menschen, wenn er in so einem Gebäude arbeitet? Spätestens im 30 Meter hohen Atrium schrumpft jeder zu einem winzigen Rechteck. In dieser aseptischen Ruhmeshalle fügt sich jede Linie, jede Lampe, jede Fliese, jedes Oberlicht ins Raster.
Andreas Kilb von der FAZ sieht im Vaubanschen Festungsbau ein Vorbild der Geheimdienstzentrale. Ihm stößt dann auch die Gigantomanie auf:
Die beiden flughallenhohen Atrien hingegen, die die Büroflügel im Norden und Süden des Komplexes verklammern, wirken wie Turnsäle für King Kong.
In Kontrast dazu dann die Arbeitsplätze der Mitarbeiter:
Viel weniger monströs, eher wie Waben eines Überwachungsbienenstaats, wirken dagegen die zighundert BND-Büros mit ihren zwei, drei oder vier schmalen Fensterachsen, in denen sich die Angestellten mit je zwei Computern – davon einer nur für das interne Datennetzwerk – und ihren Achtzig-Zentimeter-Schreibtischen einrichten müssen.
Laura Weissmüller fasst das ganze Elend dann treffend zusammen:
Es ist die Architektur, die hier Angst macht. Im Herzen einer Demokratie hat sie nichts verloren.
Assoziationen mit totalitärer Architektur hat der BND-Architekt Kleihues wohl keine. Wiessmüller zitiert ein Interview mit dem Architekten in der Welt von 2006:
Ich habe diese Bauaufgabe nie unter diesem historischen Gesichtspunkt betrachtet.
Das merkt man.
Update:
Die Titanic hat auch was zur neuen BND-Zentrale.
